Tradition trifft Zeitgeist

In bester Lage, direkt an der legendären Streif, zählt der Rasmushof zu den traditionsreichsten Häusern in Kitzbühel. Seit Generationen familiengeführt, vereint das Hotel authentische Tiroler Kultur mit zeitgemäßem Komfort. Die Gastgeberin, Frau Signe Reisch gibt Einblicke in die Philosophie ihres Hauses, die Bedeutung von Beständigkeit – und die Herausforderung, Tradition und Moderne in Einklang zu bringen. Wie das gelingt, verrät die sympathische Wirtin Signe Reisch in dem exklusiven Interview mit modechannel.de.

modechannel: Sie führen das Hotel Rasmushof in Kitzbühel seit Generationen. Wenn Sie es in einem Satz sagen müssten: Was macht dieses Haus wirklich besonders?

Signe Reisch: Der Rasmushof ist kein inszeniertes Konzept, sondern gewachsene Geschichte. Man spürt einfach, dass hier über Generationen gelebt und gearbeitet wurde – und genau dies kann man nicht planen, die entsteht von selbst.

modechannel: Viele Hotels sprechen heute über Longevity. Bei Ihnen wirkt es weniger wie ein Trend, sondern eher wie eine Haltung. Wie leben Sie dieses Thema konkret?

Signe Reisch: Ich glaube, wir haben das schon gelebt, lange bevor es diesen Begriff gab. Wenn man naturnah und bodenständig lebt, ergibt sich vieles von selbst. Unsere Gäste sind draußen in den Bergen, bewegen sich, atmen frische Luft. Dazu kommt eine ehrliche Küche – regional, saisonal, auf Wunsch auch sehr bewusst und leicht. Wir bieten frische Säfte, viel Obst und gehen individuell auf unsere Gäste ein. Longevity ist für mich kein Programm, sondern ein Lebensstil – und genau das versuchen wir zu vermitteln.

modechannel: Ihr Hotel liegt direkt an der Streif – einer der spektakulärsten Abfahrten der Welt. Wie erleben Sie die Tage rund um die Hahnenkammrennen persönlich?

Signe Reisch: Das ist natürlich etwas ganz Besonderes. Über drei Tage hinweg haben wir rund 100.000 Menschen vor der Tür, am Samstag allein etwa 50.000. Innerhalb weniger Tage wird aus einem ruhigen Ort ein Zentrum mit unglaublicher Dynamik. Ich sage immer: Die Woche der Hahnenkammrennen ist unsere fünfte Jahreszeit – es ist ein großes Glück, ein Teil davon zu sein.

modechannel: Ihre Familie hat den Wintersport in Kitzbühel maßgeblich mitgeprägt. Welche Geschichte berührt Sie persönlich am meisten?

Signe Reisch: Unsere Familiengeschichte ist eng mit der Entwicklung des Wintersports verbunden. Mein Urgroßvater Franz Reisch war der erste Skifahrer und unternahm 1893 die erste Skifahrt – damit wurde der Wintertourismus maßgeblich angestoßen. Mein Großvater, Hermann Reisch, war 16 Jahre Bürgermeister von Kitzbühel und hat viel für die Infrastruktur getan – von der Wasserversorgung bis zur Elektrifizierung. Unternehmertum und Engagement für die Region liegen bei uns also in der Familie.

modechannel: Direkt vor Ihrem Haus liegt heute ein Golfplatz. Das ist eine interessante Kombination – Skipiste im Winter, Golf im Sommer. Wie ist diese Idee entstanden?

Signe Reisch: Das war eigentlich eine sehr pragmatische Entscheidung. Die Landwirtschaft allein war auf diesen Flächen nicht mehr wirtschaftlich. Meine Eltern hatten dann die Idee, daraus einen Golfplatz zu machen – und das hat perfekt gepasst. Es ist ein kleiner, feiner Platz geworden, aber vor allem einer der ersten öffentlichen Plätze. Damit haben wir auch dazu beigetragen, den Golfsport zugänglicher zu machen und neue Gäste für den Ort zu gewinnen.

modechannel: Der Rasmushof steht für Tradition, gleichzeitig entwickeln Sie sich stetig weiter. Wo ziehen Sie die Grenze zwischen Bewahren und Verändern?

Signe Reisch: Tradition ist für mich nichts Starres, sondern etwas Lebendiges. Unsere Bauernstube zum Beispiel wird immer ein Herzstück bleiben – sie strahlt Wärme und Geschichte aus und jeden Sonntag ist hier Stammtisch. Gleichzeitig braucht es moderne Infrastruktur: Ein gutes Internet, nachhaltige Energie, neue Standards. Wir haben etwa eine Photovoltaikanlage am Dach. Es geht darum, das Beste aus beiden Welten zu verbinden – ohne die eigene Identität zu verlieren.

modechannel: Viele Gäste suchen heute mehr als nur Komfort – sie suchen ein Gefühl. Was spürt ein Gast bei Ihnen, dass er woanders vielleicht nicht findet?

Signe Reisch: Ich glaube, es ist dieses Gefühl, wirklich willkommen zu sein. Bei uns kennt man sich, man wird persönlich begrüßt. Es ist nicht anonym, sondern ehrlich. Und diese Mischung aus Natur, Geschichte und echter Gastfreundschaft – die bleibt vielen in Erinnerung.

modechannel: Wie sehen Sie die Zukunft des Tourismus in Kitzbühel – gerade im Spannungsfeld zwischen Tradition und neuen Gästebedürfnissen?

Signe Reisch: Ich sehe das sehr positiv. Auch junge Gäste schätzen heute wieder echte Werte und Authentizität. Kitzbühel hat den Vorteil, dass es kein reines Saisonziel ist. Wir sind ein Ganzjahresort – die Berge sind immer da. Die Herausforderung ist, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sinnvoll zu verbinden. Aber genau darin liegt auch die Stärke.

modechannel: Wann ist die beste Zeit, um bei Ihnen ein Zimmer zu bekommen – und wann wird es schwierig?

Signe Reisch: Die Woche rund um die Hahnenkammrennen ist natürlich sehr gefragt – da braucht es viel Vorlauf. Ansonsten gilt: Rechtzeitig buchen ist immer gut. Und wir freuen uns besonders über Direktbuchungen, weil man gleich in persönlichen Kontakt kommt. Abseits der Hochsaison findet sich aber oft noch ein schönes Plätzchen bei uns.

modechannel: Wenn Sie selbst abschalten möchten – wie sieht Ihr perfekter Tag aus?

Signe Reisch: Ich finde Ausgleich tatsächlich in meinem Alltag. Ich fahre leidenschaftlich gerne Ski und gehe sehr gern in die Natur, zum Beispiel Schwammerl suchen. Ich bin früher viel gereist in meinem Leben, aber heute schätze ich das, was ich hier habe, umso mehr. Diese Ruhe, die Natur – das ist für mich echter Luxus.

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Foto-Nachweise: Francesco Rolart, Michael Werlberger, Denise Med/Modechannel